Bald ist Kartoffelpflanzzeit

Verschiedene bunte Kartoffelsorten. Reihe oben (l-r): Blauer Schwede; Shetland Black; Linda; Reihe unten: Highland Burgundy Red; Bamberger Hörnchen; Herrmanns Blaue. © picture-alliance Foto: Simone R. Neumann
Rote, blaue, bunte und “normale” Kartoffeln von “Ellenbergs Kartoffelvielfalt

Für die meisten Kartoffelbauern ist es wirtschaftlicher, wenige Sorten anzupflanzen. Eine Ausnahme ist Karsten Ellenberg aus Barum bei Uelzen, vom dem auch die Kartoffeln stammen, die auf dem Fellingshäuser Wochenmarkt zur Pflanzung angeboten werden.
Ellenberg ist fasziniert von der Vielfalt alter, längst vergessener Kartoffelsorten. Gelbe Schale und buttriger Geschmack, rosa Schale und Fleisch mit würzigem Geschmack, schwarze Schale und cremiger Geschmack: Kartoffel-Raritäten wie “Ackersegen“, “Rosa Tannenzapfen” oder “Schwarze Ungarin” baut er an und verkauft sie an eine wachsende Abnehmerschaft.

Rund 5.000 Sorten waren längst in die Genbank in der Nähe von Rostock*) verbannt, als Ellenberg in den 90er-Jahren begann, wieder traditionelle Formen und Geschmacksrichtungen auf den Tisch zu bringen. Inzwischen zieht der Landwirt auf seinen Äckern etwa 100 historische Sorten, darunter auch eigene Züchtungen. “Ich wollte wissen, wie alte Sorten, die früher auch ohne Kunstdünger gediehen, auf Bio-Böden wachsen. Nicht alle waren gut, ein Teil aber viel besser, interessanter und vielfältiger im Geschmack als das, was es heute gibt.” Der Kartoffelbauer nennt Nuancen wie cremig, nussig und buttrig. “Es ist wie beim Wein: Jeder muss seine Sorte selber finden.” Und nicht jede Sorte eignet sich für jedes Rezept.

Auf dem Wochenmarkt bieten wir folgende Sorten zum Pflanzen an:

SorteKocheigenschaftErntezeitFarbenHerkunft
AnnabelleFestSehr frühHell/gelbNL 2002
HeiderotFestMittelspätRötlich/rotD 2017
LauraVorwiegend festMittelfrühRosa/gelbD 1998
LindaFestMittelfrühHell/gelbD 1974
NemoMehligMittelfrühRosa gefleckt/gelbNL 2019
NicolaFestMittelfrühHell/gelbD 1973
PuikulaVorwiegend festMittelspätHell/gelbFinnland 1953
Purple RainfestmittelfrühLila/liaNL 2019

Es gibt zwar Kartoffeln, die in den Anden auf bis zu 4000m Höhe gedeihen. Solche sind aber hier nicht dabei. Damit sie zügig wachsen, sollte man die Knollen im April nur vorkeimen und erst im Mai ins Freie pflanzen. Ihre Kartoffeln keimen ohnehin? Wenn sie die Knollen aber in ein Kästchen mit Erde legen und in einen nicht geheizten, aber frostfreien Raum stellen, dann bilden die Kartoffeln an den Keimen schnell Wurzeln. Ihre Pflanzung bekommt dann im Freien einen guten Vorsprung.

Zu große Knollen werden halbiert (gedrittelt) und auf die Schale gelegt, damit die Schnittfläche abtrocknen kann (Foto Renell)



Vor allem für neue Gärten: Wussten Sie, dass Kartoffeln eine gute Vorkultur für Beete sind, die man neu anlegen will? Sie lockern den Boden und unterdrücken das Unkraut. Man kann sogar einige Wochen lang Pappe auf die Fläche legen, später etwas Erde darauf und die Kartoffeln hinein legen. Dann muss man nur noch etwas Material finden, um sie zu bedecken. Wenn man noch keinen Kompost hat, wird der Ertrag nicht so groß, aber die Kartoffelpflanzen haben Ihnen viel Arbeit abgenommen. Wir waren sogar erfolgreich als wir mangels anderer kompostierbarer Masse reichlich abgeschnittene Kirschlorbeerzweige unter die Pappe gelegt hatten.

Alle Knollen stammen aus dem Betrieb von Ellenberg – siehe Ellenbergs.Kartoffelvielfalt

Text und Foto: ndr.de/ratgeber/kochen/warenkunde/AlteKartoffelsorten


*) Groß Lüsewitz ist eine Außenstelle der Genbank Gatersleben Erlesene Kartoffeln.de (das ist eine Webseite des Anbieters Tartuffli)

Weniger Rinder in Hessens Ställen

Foto in Kinzenbach aufnehmen

Gießener Anzeiger und Gießener Allgemeine Zeitung vom 18. 2. 2022

Meines Wissens haben wir in Biebertal überhaupt keine Rinder mehr. Die Zeiten, dass sich eine Kuh in unseren Garten verirrte, sind lange vorbei. Was viele vielleicht gut finden, hat Tim Mattern aus Biebertal veranlasst, einen Leserbrief zu schreiben, den wir hier mit seiner Genehmigung abdrucken. Dr. Tim Mattern ist Mitglied im Nabu-Kreisvorstand des Landkreises Gießen. Sein Leserbrief stand am 2. März im Gießener Anzeiger.

Tim Mattern zum Artikel “Weniger Rinder in den Ställen” vom 18. Februar 2022

“Rinder sind für unsere Landschaft unverzichtbar. Diese Tiere können aus Gras, das wir Menschen nicht verdauen können, Lebensmittel für uns herstellen. somit dienen Wiesen und Weiden indirekt unserer Ernährung.
Die meisten Betriebe sind durch die agrarpolitischen Rahmenbedingungen gezwungen, das Maximum aus ihren Flächen und Tieren herauszuholen. Schwere Fleischrinder und Milchkühe werden von Weidegang und Heu im Winter allein vielleicht zwar satt, bringen aber nicht die erwünschte Leistung. Die Folge sind hochgedüngte, artenarme Vielschnittwiesen sowie Getreide und Soja – eventuell sogar aus Übersee – im Futtertrog. Würde man Rinder lediglich mit dem Aufwuchs von Wiesen und Weiden füttern – die Klimabilanz wäre positiv, denn das Grünland ist eine CO²-Senke. Erst falsche Fütterung mit Kraftfutter erzeugt übermäßige Methan-Rülpser der Kühe, was ihre Klimabilanz ins Negative kippen lässt.
Für Naturschutz und Klima ist die extensive Rinderhaltung von Vorteil: Die Tierzahl ist an die Fläche angepasst, es werden nur so viele Rinder gehalten, wie vom zur Verfügung stehenden Grünl
and satt werden können. Großräumige Beweidung führt zur Bildung vieler verschiedener Kleinsthabitate, die von unzähligen Tier- und Pflanzenarten besiedelt werden. Allein ein Kuhfladen ist ein wahrer Mikrokosmos. Jedoch finden Insekten die Hinterlassenschaften der Wiederkäuer monatelang völlig uninteressant, wenn die Kühe mit Mitteln gegen Würmer und andere Parasiten behandelt wurden.
Das Bild einer halboffenen Landschaft ist tief verwurzelt. Gehölze bieten Schutz und Geborgenheit, während der Blick in die Weite dennoch vorhanden ist. Waren es seit Beginn unseres Erdzeitalters Quartär große Wildtierherden, die durch ihre Nahrungssuche solch ein Bild erzeugten, wurde dieses später durch die menschliche Nutzung und Hütehaltung von Haustieren geschaffen. Ohne Tierhaltung wäre Grünland keine Nahrungsgrundlage für Menschen. Wo es nicht gemäht werden kann, würde es mit Gehölzen zuwachsen.
Heute ist die Rinderhaltung draußen auf der Koppel mühsam. Tierhaltung ist aufwendig, bringt wenig Geld ein, ist mit vielen Fehlerquellen und Sanktionsgefahren aus Agrarförderung und Fachrecht behaftet. Insbesondere dann, wenn man es den Tieren gönnt, das ganze Jahr draußen zu sein. Die Weidetierhalter sehen sich dort auch weiteren Problemen ausgesetzt. Freizeittreibende, die die Landwirte und Tierhalter auf dem Weg zu ihren Weideflächen beschimpfen. Gutmeinende, die vom eigenen Empfinden auf das des Tieres schließen und wegen vermeintlicher Kälte, Futtermangel oder sonstigem Anzeige erstatten.
Es macht Sinn, wenn wir alle weniger Fleisch essen. Aber dennoch sollten wir unsere verbliebenden Rinderhalter unterstützen, denn ihr Beitrag für die Gesellschaft is
t unschätzbar.

Bullshit?
Für den Brief von Tim Mattern fand ich eine wissenschaftliche Untermauerung im MIT Technology Review 2/2022*). Das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) der Schweiz verglei8cht seit über 40 Jahren die verschiedenen Formen des Landbaues auf extra angelegten Testfeldern. “Der größte Humus.-Schwund, so weist die FiBL-Studie nach, liegt beim
v i e h l o s e n konventionellen Landbau vor. Um das zu ändern, spielt Kreislaufwirtschaft eine entscheidende Rolle. Wenn ein Hof Dünger aus der Tierhaltung einsetzt, – wie oft im biologischen Landbau – kann er den Humusverlust immerhin bremsen. Er Er überträgt damit quais die Biomasse vom Grasland über das Vieh auf den Acker und schließt damit den Kreis.


Ist das Kunst oder muss das weg?

Links “Henry Moore” oder Natur-Stelen; der rechte Stamm wurde von “Zeynep” abgeräumt

Die Frage “Ist das Kunst oder kann das weg?” wird üblicherweise im Haushalt gestellt. Ich übertrage sie mal auf unseren Garten. Wir haben dort eine Plastik von Henry Moore. Natürlich können wir uns keinen echten leisten. (Bronzeplastiken werden auf dem Kunstmarkt für etwa 4Millionen € gehandelt) Aber was Vögel, vor allem die Spechtartigen, und Insekten an den abgestorbenen Stämmen von Eberesche und Weide geschaffen haben, kommt den Werken des Künstlers doch schon sehr nahe. wiki/Henry_Moore. Als ich kürzlich am Hang am Weg nach Rodheim arbeitete, zeigte eine Passantin auf die Stämme und sagte, die müssten abgesägt werden. Auf meine Erklärung, welche Bedeutung Totholz für die Tiere habe, ging sie nicht ein, wiederholte nur ihr Ansinnen. Nun, offenbar sind Stürme die Sauberfrauen von Mutter Natur, jedenfalls wurde der längste Stamm vom “Zeynep” umgelegt. Jetzt dient er zersägt als Brennholz bzw. neue Beetumrandung. Die Vögel suchen sich eine andere Spitze zum Anlanden aus, und der Kleiber findet noch genügend andere Bäume in unserem Garten.*)

Warum Totholz so wichtig ist, dass wir es stehen lassen, will ich mit dem Auszug aus einem NaBU-Artikel begründen:

Es lebe das Totholz

Unterschlupf und Wohnraum für Insekten

Totholz zählt zu den lebendigsten Lebensräumen unserer Natur. Viele Insekten, die auch in unseren Gärten vorkommen, profitieren davon. Lassen Sie Raum für alte Baumstämme, Totholzhecken, Stängel oder Laubhaufen!
Viele wissen es nicht und es klingt paradox, doch Totholz zählt zu den lebendigsten Lebensräumen unserer Natur. Viele Insekten, die auch in unseren Gärten vorkommen, profitieren davon, ob als Nahrung, Versteck oder Baumaterial. Arten wie die Gewöhnliche Löcherbiene, die Blauschwarze Holzbiene die gemeine Goldwespe, der Goldrosenkäfer oder der Gemeine Widderbock sind vom Totholz abhängig oder können darauf nur schlecht verzichten.

*) mit einem Foto vom Kleiber, der in unserem Garten in mehreren Exemplaren zu Hause ist, illustrierte der Gießener Anzeiger am 1. März den sehr lesenswerten Artikel von Götz Eisenberg “Das Kettensägen-Massaker”

Vorne der Kleiber (Spechtartige), hinten ein Dompfaff

Eines meiner Lieblingsbücher als Kind war der Roman des Natur-Autors Hans Wilhelm Smolik (wiki/Hans-Wilhelm_Smolik) “Rauschebart und Knorzel”. Er erzählt das Leben einer Eiche vom ersten Sprießen bis zum Absterben nach vielen Jahrhunderten. Aber danach war Rauschebart nicht wirklich tot, sondern lebte als Knorzel weiter. Knorzel war Rauschebarts Wurzel und beherbergte ganz viel neues, anderes Leben – und irgendwann auch wieder eine junge Eiche. Immer noch sehr lesenswert!

Fotos Renell

Bäume pflanzen mit Zuschuss des Kreises Gießen

Möchten Sie eine Eiche im (Vor)Garten?

Die Toteneiche in Fellingshausen, ein Naturdenkmal

Der Landkreis Gießen bezuschusst das Pflanzen einheimischer Baumarten Klimaschutz-lkgi.de und zwar gibt es 50% des Kaufpreises erstattet, aber maximal 100€. Außerdem müssen Sie in Vorleistung treten, denn dem Antrag soll je ein Foto des Gartenteiles vor und nach erfolgter Pflanzung hinzu gefügt werden. Als ich den Artikel schrieb, war über den obigen Link auch eine Liste von empfohlenen Bäumen zu finden. Ich habe sie auszugsweise unten eingefügt. Wenn Sie interessiert sind, so nehmen Sie Kontakt auf zu Sonja Cordt vom Klimaschutz-Team des Landkreises: telefonisch unter 0641 9390-1772 oder per E-Mail an klimaschutz@lkgi.de.

Was mir an der Liste missfiel: Die aufgeführten Arten waren nicht danach ausgewählt, wie groß der Garten ist. Wenn die Fläche, die Sie zur Verfügung haben, sehr groß ist (über 1000m²) und Sie eh keine Gartenarbeit mögen, dann können Sie auch Eichen, Berg- und Spitzahorn pflanzen. Die werden im Laufe der Jahrzehnte so breit, dass darunter nur noch wenig zu tun bleibt. Einen Kletterbaum erhalten Sie aber eher für Ihre Enkel als für Ihre Kinder. Einige der Arten haben außerdem so einige Besonderheiten, was man vorm Kauf wissen sollte.
So schön zum Beispiel Birken*) sind, alle sind Flachwurzler, die auf der Suche nach Nahrung und Wasser regelmäßig ihre Wurzeln in andere Beete stecken und die Gärtnerin/den Gärtner damit zur Verzweiflung bringen können.

Für die immer kleiner werdenden Gärten empfehle ich nach eigenen Beobachtungen und Erfahrungen die folgenden Arten:

Erklärung: 12m/10 bedeutet Höhe bis 12m, Breite bis 10m

Meine Top-Five sind: Mehlbeere, Eberesche, Wildapfel und Hainbuche, Weidenblättrige Birne.
*1) Statt des Wildapfels würde ich Sorten der Zieräpfel bevorzugen (stammen von den asiatischen Vorfahren- jede Baumschule kann beraten). Lockerer Wuchs, der in jedes Beet passt, schöne Blüten, Fruchtfarben, Herbstfärbung und essbar.

Die Mehlbeere mit flaumigen Blättern und schönen Früchten

*2) Bei der Vogelkirsche, wie sie an unseren Waldrändern wächst, ist die Frucht Glückssache. Wir hatten schon extrem bittere. Auch die veredelten Kirschen sind Sorten von Prunus avium. Dabei kann man auch klein bleibende Bäume kaufen. Für die Tierarten sind sie ebenso verlockend wie die reine Art, die für einen kleinen Garten zu groß wird.

Vogelkirsche am Weg Fellingshausen – Rodheim

*3) Die Wildbirne ist kaum noch von den Sorten zu unterscheiden, weshalb ich eine Kultursorte bevorzugen würde – z.B. Conference, die ohne Befruchterbaum auskommt. Für Leute, die gerne einen Olivenbaum im Garten hätten, empfehle ich die Weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia). Sie stammt auch aus Europa, ist absolut frostfest und bietet das gleiche Flirren wie die Blätter der Olive. Die Früchte sind eher adstringierend.

*4) Warum gerade die Bruchweide? Wir haben keine Moore im Landkreis Gießen. Und für Gewässerränder gibt es andere klein bleibende Arten, z.B. die Rosmarinweide (Salix rosmarinifolia), die Kalk mag oder die Korbweide (Salix viminalis), die es in verschiedenen Rindenfarben gibt, nur 3-8m hoch wird und mit deren Zweigen man gut gestalten kann. Man schätzt die Weiden auf 3-400 Arten, die meisten sind Europäer.

*5) Ein Wort zur Hainbuche. Eigentlich wird auch sie zu groß. Aber sie ist so gut schnittverträglich (Heckenpflanze), dass Sie die Form Ihren Gartenbedingungen anpassen können. Baum oder Großstrauch sollte er aber bleiben.

*6) Die Esskastanie wird eigentlich viel zu groß. Ich habe auf Sizilien den “Castagno dei cento cavalli” gesehen, unter dessen Krone tatsächlich 100 Reiter Platz haben (Erstbeschreibung 1636, Unter-Schutz-Stellung 1745). Sein Alter wird auf 2-4000 Jahre geschätzt; und schon im 18. Jahrhundert soll er einen Umfang von 57m gehabt haben. Aber der Baum wächst so langsam, dass Sie seine Größe frühestens in 30-40 Jahren merken.
Man kann die Esskastanie auch in einem – sehr großen – Kübel pflanzen, sollte aber etwas Winterschutz vorsehen. Die Esskastanie wird vom Wind bestäubt. Wenn es in Ihrer Umgebung keine anderen Bäume gibt, brauchen Sie eine zweite Esskastanie als Bestäuber.

Die Esskastanie auf Sizilien, 18. Jahrhundert

Hinweis: Meine Empfehlungen sind zum Teil nicht zuschussfähig, da sie in der Liste des Landkreises fehlen.

Nachtrag am 24. Februar 2022: Heute las ich in der Laborpraxis, dass die Birke (Betula pendula) in der Lage ist, Mikroplastik über ihre Wurzeln aus dem Boden zu binden. Laborpraxis Birken als Bodenreiniger für Mikroplastik

Kastanienbaum_der_hundert_Pferde
flora-toskana.Esskastanie-Edelkastanie.html

Fotos: Winfried Senger, Eveline Renell, wikipedia, “100 Pferde”


Das Moor auf unserem Dach

Pflegeleicht, versiegelte Fläche, CO²-Bindung;
Im Januar ist Zeit zur Gartenplanung

Die Fichte kam als Samen angeflogen, irgendwann wird sie zu groß

Anlass dieses Erfahrungsberichtes ist der Artikel im Gießener Anzeiger vom 27. Januar 2022
“Millionen für die Rückkehr der Moore”
……..”Global gesehen sind Moore die wichtigsten Kohlenstoffspeicher, da kommen Wälder nicht hinterher”, sagt der Moorexperte der Umweltorganisation NaBU, Tom Kirschey

Viele Hausbesitzer, die mit dem Haus ungewollt zu einem Garten gekommen sind, wünschen sich vor allem eines: Pflegeleicht muss er sein! Dazu wurden – auch in Biebertal, schon eine Vielzahl von Flächen vorm und um das Haus herum versiegelt bzw. mit grauem oder schwarzem Schotter befüllt. Nach einigen Jahren wächst dennoch Unkraut. Aber es lässt sich schwerer beseitigen als im Garten mit normalem Boden. Dafür hat man dann Tausende von €uro ausgegeben! Wer den versiegelten Garten inzwischen bereut, hat mit der Anlage eines kleinen Moores eine prima Alternative.

Wie kamen wir zu unserem Moor? Als Kind haben wir beide in Norddeutschland gewohnt, wo es damals noch viele Moore gab. Winfried musste 1976 sein Haus mit Flachdach bauen. Mittlerweile war es zum Teil undicht und musste saniert werden. Ich hatte einige Jahre zuvor in Holland einen Wettbewerb von Gartenbau-Architekten gesehen, bei dem die Mini-Gärten auf Torfziegeln gebaut waren. Im nördlichen Niedersachsen fuhren wir an noch arbeitenden Torfwerken vorbei und fragten spontan nach Torfsoden. Die mussten wir uns aus dem – für den Gartenbau – geschredderten Torfmull heraussuchen. Mit zwei großen Kartons voll fuhren wir wieder heim. Einige Zeit später war die erste Fläche des Daches dicht, und der Moor-Aufbau konnte beginnen (2012).

Im ersten Herbst nach der Anlage
Zwischen den Soden sind freie Wassrflächen

Baumaßnahmen: 1. Das Dach wurde mit Dachpappe, Teer und darüber Dachfolie abgedichtet und ein 15cm hoher Rand aufgebaut. 2. Auf der Fläche wurden die Torfsoden so verteilt, dass Ränder und freie Flächen entstehen. 3. In die Freiflächen zwischen den Torfsoden wurden Pflanzen eingefügt. 4. Eine stetige Bewässerung erfolgt durch Verbindung mit einem Regenwasserbassin. Der Automat ist in dem hohlen Korkstamm versteckt (Zufallsfindling in der Provence)

Ausgewählte Pflanzen: Vor allem musste ich Wollgräser pflanzen, weil mein Mann der Ansicht war, ich hätte seine am Teich herausgerissen. In Wirklichkeit sind sie eingegangen, weil es dort inzwischen zu schattig war. Dann kam die von mir sehr geliebte Glockenheide hinzu und etwas Heidekraut, das richtig blüht. Beides bekommt man nur in Fachgärtnereien. Außerdem pflanzte ich einen Gagelstrauch.

2. Jahr Sommer: Preiselbeere und Scheidiges Wollgras
3. Jahr Herbst Im Hintergrund rot die seltene Sumpfrose, vorne guckt die Salweide heraus.


Pflegemaßnahmen: Im Jahr nach der Anlage keimten unzählige Birken auf den Torfsoden. Ich habe auf den knapp 4m² an die 300 Stück herausgezogen. Im 2. Jahr waren es bedeutend weniger, danach kamen sie nur ganz vereinzelt. Eine Weide hat sich angesiedelt, und ich ließ sie stehen. Da es sich um einen Großbaum (Salweide, Salix caprea) handelt, muss sie jährlich rigoros zurück geschnitten werden – wie Buchsbaumkugeln. Schon im 4. Jahr musste ich dem Gagelstrauch (Myrica gale) zu Leibe rücken. So schön er ist und wieviel Lebensraum er auch für diverse Insekten bietet: Auf so eine kleine Fläche gehört er nicht. Die Heidekräuter bekommen im Mai einen Kurzhaarschnitt.

Pflanzenentwicklung: Alle Arten von Heidekräutern (Calluna vulgaris, Erica tetralix) entwickelten sich prächtig. Die Walisische Heide (Daboecia cantabrica), die es im Herbst zu kaufen gibt, hat sich in weiß und rot üppig ausgesät. Ab dem 3. Jahr keimten auch Farne und Moose, die unbedingt in ein Moor gehören. Die Sumpfrose kaufte ich im Palmengarten 2015. Bis dahin wusste ich nichts von ihrer Existenz: Anfangs befürchtete ich, das Schmalblättrige Wollgras (Eryophorum angustifolium) würde die ganze Fläche übernehmen. Aber eines Tages (um 2018) waren alle drei Wollgrasarten verschwunden. Inzwischen sieht man kaum noch Torfsoden, die Fläche ist ziemlich mit Heidekräutern zugewachsen, wie es auch in der Natur sehr verbreitet ist.

Sumpfrose (Rosa palustris), Blüte Juni mit leichter Nachblüte bis Herbst

Und jetzt gehe ich mal ganz kurz weg von unserem Moor. Es gibt auch wunderschöne Exoten für diesen Lebensraum. Bei den abgebildeten Beispielen handelt es sich um Insekten fressende Pflanzen.

Kannenpflanzen, hier Sarracenia flava
Sarracenia pourpurea mit Blütenständen

Und zehn Jahre nach der Anlage? Wir haben soviel Freude an dem kleinen Moor, dass wir die Fläche unbedingt erweitern möchten. Man braucht nur 1-2cm Wasserstand aus Regenwasser, und die Fläche muss in der Sonne liegen.

Quellen: wikipedia.org/wiki/Gagelstrauch;
Einkauf: Erichmaier.de/insektivoren.html
Fotos: Eveline Renell

Ergebnisse der Wintervogelzählung 2022

An der jüngsten Wintervogelzählung beteiligten sich 117 622 Menschen. Das ist gegenüber dem 1. Zähljahr 2011 eine Verdoppelung. Damals machten rund 56 000 Leute mit. Unübertroffen war bisher das Jahr 2021 mit 164 000 Zählenden.

Bild: Haussperling
Der Haussperling ist weiterhin die Nummer 1 in deutschen Gärten, hat aber um 4% abgenommen
BRD 6,6 E, Hessen 6,9E / Kreis Gießen 8,6 E

E = beobachtete Exemplare pro Garten. Notiert wurde die maximale Zahl an Individuen in der Zähl-Stunde

Bild: Kohlmeise
Die Anzahl der Kohlmeisen nahm dagegen um 17% zu
BRD 4,6 E/ Hessen 4,64 E/ Kreis Gießen 4,18

In fast 60% der Gärten wurde der Haussperling beobachtet, dabei kam man auf die stattliche Zahl von 777138 Exemplaren bzw. durchschnittlich 6,6 Sperlingen pro Garten. Die Kohlmeise findet sich sogar in knapp 80% aller Gärten ein, durchschnittlich aber nur mit 4,59 Exemplaren pro Garten. Gegenüber 2011 haben beide die Plätze getauscht. Damals kam die Kohlmeise mit durchschnittlich 6,68 Exemplaren in 93% der Gärten vor, der Haussperling mit 5,76 Individuen in 55% der Gärten.

Hier folgt eine Gegenüberstellung der Rangliste Deutschland im Vergleich mit dem Vorkommen im Kreis Gießen und mit unserem Garten. Bei unserem Garten bedeutet /x die Anzahl der Vögel, die wir im ganzen Winter bisher gesichtet haben. Die Stunde der Wintervögel ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Im Kreis Gießen entspricht die Rangfolge dem Bundesgebiet; lediglich Amsel, Stieglitz, Bergfink und Sumpfmeise kommen häufiger vor. In der Rangliste habe ich nur die Vögel vorgestellt, die auch in unserem Garten zu beobachten waren.

Deutschland
1. Haussperling 6,9
2. Kohlmeise 4,59
3. Blaumeise 3,4
4. Amsel 3,2
5. Feldsperling 3
6. Elster 1,45
7. Buchfink 1,45
8. Grünfink 1
10. Rotkehlchen 1,26
13. Buntspecht 0,66
14. Eichelhäher 0,65
15. Kleiber 0,56
16. Stieglitz 0,49
18. Gimpel 0,40
21. Erlenzeisig 0,34
26. Bergfink 0,15
29. Kernbeißer 0,14
30. Sumpfmeise 0,13
31. Zaunkönig 0,13


Kreis Gießen
Haussperling 8,16
Kohlmeise 4,18

Blaumeise 3,4
Amsel 3,31
Feldsperling 1,91
Elster 1,36
Buchfink 1,32
Grünfink 1,01
Rotkehlchen 0,93
Buntspecht 0,59
Eichelhäher 0,31
Kleiber 0,53
Stieglitz 0,76
Gimpel 0,35
Erlenzeisig 0,14
Bergfink 0,16
Kernbeißer 0,14
Sumpfmeise 0,17
Zaunkönig 0,08

Unser Garten
Haussperling 0
Kohlmeise 5
Blaumeise 2
Amsel 1/4
Feldsperling 0
Elster 0/2
Buchfink 2/8
Grünfink 8
Rotkehlchen 0/2
Buntspecht 0/1
Eichelhäher 0/2
Kleiber 2
Stieglitz 1/2
Gimpel 1/3
Erlenzeisig 1
Bergfink 4/11
Kernbeißer 0/2
Sumpfmeise 1/2
Zaunkönig 0/1

Interessant sind einige Vogelvorkommen ohne Berücksichtigung der Rangliste. Hessen hat das größte Vorkommen frei lebender Alexandersittiche (61 Tiere, vor allem in Wiesbaden) In Deutschland gibt es zwei weitere Sitticharten, die aus Käfighaltung entflogen sind und nun seit Jahren im Freien leben und sich vermehren. Auch die seltene Bartmeise wurde zwölfmal in Hessen gezählt, aber nicht in Gärten. Der Grauspecht ist mit 57 Exemplaren in Hessen und Thüringen vertreten. Die Schwanzmeise kommt 2068 mal vor.
Der Seidenschwanz wurde in Hessen tatsächlich viermal gesichtet; seinen deutschen Winterschwerpunkt hat er mit 101 Exemplaren in Brandenburg, 32 mal in Sachsen und 8 mal im Saarland.

Bild:
Bartmeise, bewohnt große Schilfflächen
Bild:
Grauspecht
Bild:
Schwanzmeise
Bild:
Alexandersittich
Seidenschwanz (wikipedia)
Streitende Seidenschwänze - Foto: NABU/Ursula Doll
Hier streiten sich zwei Männchen um die letzten Äpfel. Die Seidenschwänze sind “trinkfeste Gesellen”, denn dank einer besonders großen Leber vertragen sie auch vergorenes Obst, ohne dass es ihnen schadet

Welche Vögel gibt es in Ihrem Garten? Schreiben sie uns doch Ihre Beobachtungen an info@biebertaler-bilderbogen.de!

Nahezu alle Fotos auf dieser Seite: NaBu Wintervögel-Zählung 2022
Quellen: Nabu Aktionen und Projekte -Stunde der Wintervögel-Ergebnisse

Holen Sie sich den Frühling ins Haus

Einzelblüte der Tulpenmagnolie

Heute ist der 21. Januar. das heißt, ein Wintermonat liegt bereits hinter uns. Im Garten tut sich schon was: Schneeglöckchen und Winterlinge zeigen die ersten Spitzen; und die Knospen der Orientalischen Christrose schieben sich ans Tageslicht. Sogar das erste einheimische Leberblümchen blüht – sehr früh. Vielleicht besitzen Sie eine Zaubernuss oder Winterjasmin. Die Blüten des Winterschneeballs werden leider bei Frost sofort braun. Aber es gibt Alternativen, um etwas Blühendes in die Wohnung zu holen, ohne es im Laden zu kaufen.
“Die Barbarazweige” Forsythie und Kirsche , die am 4. Dezember hereingeholt wurden, blühten nicht besonders üppig. Sieben Wochen später sieht das ganz anders aus. Es gab genügend Frost – der unerlässlich ist – und wir nähern uns immer mehr dem natürlichen Blütezeitpunkt.

Forsythie
Süßkirsche

Welche Zweige entfalten sich zu schönen Blüten?
Das sind natürlich die oben schon genannten Winterblüher. Forsythien und Kirschzweige werden jetzt in der Vase sehr üppig. Das trifft auch für die Zweige der Kornelkirsche zu, die ihre Blüten draußen oft schon Ende Februar öffnet.

Links Pfirsichblüten, oben Blutjohannisbeere

Weiterhin geeignet sind Sauerkirschen, Zierkirschen, Pflaumen, Schlehen, Mandeln, Pfirsiche. Sie können es aber auch schon mit Magnolien versuchen. Felsenbirnen gehen auch. Haben Sie einen früh blühenden Rhododendron? Bei uns wachsen einige, die aus Ostfriesland stammen, wo man sie in oft als Hecken sieht, z.B. die Sorte Cunningsham White, eine Hybride, die es schon seit dem 19. Jahrhundert gibt. Die Blüten brauchen in der Vase zwar lange zum Öffnen, aber meistens klappt es. Interessant finde ich das Treiben der Blutjohannisbeere. Auch wenn Sie eine rote haben, wird sie jetzt erst mal weiß aufblühen. Sie hat noch nicht genügend Speicherstoffe. Je näher der natürliche Blühzeitpunkt rückt, desto mehr färbt sie sich ins Rosa bis Rote.

Ein besonders gutes Ergebnis erhält man, wenn die Zweige möglichst lang sind und wenn man sie vor dem Einstellen in die Vase mindestens über Nacht bzw. einen Tag lang ein Bad nehmen lässt – nach dem eigenen, denn die Wärme bekommt ihnen. Normale Seifenmengen schaden dabei nicht, aber Ölbäder verstopfen die Leitungsbahnen.

Bisher hatte ich keinen Erfolg mit den Blüten von Äpfeln.
und Birnen. Vielleicht kann mir jemand sagen, warum das so ist.

Übrigens schneide ich meine Blütensträucher nicht einfach irgendwann, sondern genau in den Wintermonaten. Dadurch halte ich sie genauso im Zaum als bei früherem Schnitt. Aber gleichzeitig gewinne ich schön blühende Zweige für die Vase.

Fotos: Eveline Renell, Winfried Senge

Was hat eine Hyazinthenzwiebel mit Goldfinger zu tun?

Sicher kennen Sie den Bond-Film “Goldfinger” von 1965.
Die Hauptdarstellerin Jill wird komplett mit Goldfarbe angemalt, was zu ihrem Erstickungstod führt, denn die Farbe verhindert die Atmung der Haut. So geht es auch den in Wachs getauchten Amaryllis (Ritterstern), die man seit einigen Jahren kaufen kann. Das Wachs verhindert die Atmung der Zwiebel und die Wasseraufnahme.
Offenbar werden inzwischen auch andere Blumenzwiebeln so vermarktet, wie man an der Hyazinthenzwiebel sieht, die ich kürzlich geschenkt bekam. Das ist ein riesiger Unsinn und Missachtung des Lebewesens Pflanze. Aber es gab ja auch mal eine Zeit, in der Frauen in der katholischen Kirche nicht als Menschen galten und Afrikaner wie wilde Tiere im Zoo ausgestellt wurden (letzteres ist gerade mal ein Jahrhundert her). Die genannten Blumenzwiebeln legen zwar die Blüten schon vor ihrer Ruhephase an, aber damit sie sie später schön ausbilden können, brauchen sie Luft und müssen Wasser einlagern. Wie Sie aber selbst sehen, hat die Hyazinthe gar keine Wurzeln, mit denen sie trinken kann.

Ich werde jetzt mal versuchen, ob ich die Zwiebel retten kann, wenn ich die Wachsschicht entferne. Normalerweise pflanze ich abgeblühte Hyazinthen im Frühling in den Garten. Amaryllis sollten Sie nach der Blüte*) auspellen und in Erde pflanzen. ab dem Frühling wird sie gegossen und gedüngt, und im Herbst schickt man sie in ihre Ruhezeit. Leider hält sich sogar unter Floristen die Meinung, dass man Amaryllis nach der Blüte einfach auf den Schrank legen und bis zum nächsten Winter vergessen kann. Woher bitte sollen sie denn die Energie nehmen, um eine so große Blüte auszubilden? Als Pflanze muss auch die Amaryllis ordentlich Photosynthese betreiben!

*) Bei Amaryllis funktioniert es mit der Blüte, weil die Zwiebel größer ist. Aber der Stängel ist meistens sehr kurz und eine Neubildung von Blüten für den nächsten Winter lässt sich nur durchführen, wenn die Pflanze optimal versorgt wird. Wachsumschließung von Blumenzwiebeln verhindert das.

Werfen Sie noch weg, oder sammeln Sie schon?

Christoph brachte eine kleine Tüte mit Kronenkorken mit, jetzt steht eine Schüssel zum Sammeln bei uns: Sie haben einen Durchmesser von knapp 30 mm und wiegen nicht einmal 2 Gramm: Kronkorken findet man eigentlich in jedem Haushalt und meistens landen die kleinen Blechstücke direkt im Müll. Die Kronkorken wegschmeißen? – Das käme für Ingo Petermeier aus Wadersloh-Liesborn nicht infrage: Seit 2012 sammelt der Liesborner die kleinen kreisrunden Kronkorken in seiner Freizeit für den guten Zweck. Einmal pro Jahr werden die gesammelten Werke zum Wertstoffhändler gebracht und der Erlös 1:1 der “Patientenhilfe Darmkrebs” gespendet. kronkorkensammelaktion.de/mitsammeln

Auf Kronenkorken liegt sichs gut
Beide Fotos von der Sammelaktion – siehe Link
Basteln mit Kronkorken – 20 tolle Recycling Ideen für Groß und Klein #windspiel #garten #upcycling #deko #bottlecap #diy #beerbottle #bierdeckel #garden #gartendeko #crafts #bottlecaps #selbermachen #christmas

So wie im Bild links geht es natürlich auch, vorausgesetzt, man hat die Nerven, in jeden einzelnen Kronenkorken ein Loch zu bohren.
Sehr schön finde ich auch die Metallverschlüsse der Weinflaschen in verschiedenen Farben. Warum werden die eigentlich nicht gesammelt? Oder was kann man daraus basteln? Ich habe mal eben einen kleinen Stern mit der Gartenschere daraus geschnitten. Das ist einfach und geht schnell, aber so gut gefällt er mir auch nicht. Vielleicht haben Sie bessere Ideen.

Foto links Pinterest

Bis vor 2 Jahren gab es in Deutschland 2000 Sammelstellen für die bunten Plastikverschlüsse, auch in der Grundschule Rodheim. Ich konnte nicht erfahren, warum diese Aktion gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung) eingestellt wurde. Mittlerweile wird die Sammlung nur noch vom Rotary Club Tholey-Bostalsee durchgeführt (Rheinland-Pfalz). Deckel ohne Grenzen
Ich habe auch schon längere Zeit überlegt, was man mit den bunten Deckeln basteln kann. Eingefallen sind mir bisher nur Spielfiguren für große Dame- Mühle, aber auch Halma-Spiele. Für den Einsatz im Freien sollte man sie mit Gips ausgießen, damit sie nicht weggeweht werden.

Plastik-Schraubverschlüsse gibt es viele
Dieses Mädchen kann dank Brillen weltweit besser sehen

Jetzt wird es etwas wertvoller. Wie viele alte, nicht mehr benutzte Brillen liegen bei Ihnen zu Hause herum? Bei mir haben sich inzwischen recht viele angesammelt, die ich seit Jahren gerne loswerden würde. Und siehe da, wir können sie sogar in Biebertal abgeben. Die Firma Brillen Plaz in Rodheim in der Gießener Straße 7 nimmt Ihre gebrauchten Brillen an, entweder im Futteral oder in etwas Papier verpackt.
1. Gute Tat: Kostenlose Abgabe von Brillen an hilfsbedürftige Sehhilfeempfänger in der „Dritten Welt“
2. Gute Tat: Langzeitarbeitslose werden integriert
3. Gute Tat: Weniger Müll in der Restmülltonne Brillen weltweit.de

Was geht, was nicht, Stifte mindestens 8cm

Wertvoll ist auch: Die Aktion „Stifte stiften“ unterstützt afrikanische Kinder mit Schulmaterial, das sie dringend brauchen. Stifte und Schulmaterial sind dabei wirklich super, denn sie sind bei uns oft im Überfluss vorhanden und können zugleich sinnvoll nach Afrika transportiert werden. Mitmachen kann jeder: Familien, Kindergärten, Schulen, Unternehmen, Behörden und Vereine .

Zum Schluss bin ich auf eine Aktion gestoßen, die weniger für den Einzelnen als für Friseurgeschäfte gedacht ist. Aber da jede/r von uns regelmäßig Haare lässt, kann sie/er ja mal die Friseurin darauf ansprechen. Die Idee stammt vom provenzalischen Friseur Thierry Gras. Er gründete die Organisation “Les coiffeurs justes”, weil er der Meinung ist, mit den abgeschnittenen Haaren werde ein wertvoller Stoff weggeworfen, den man auch anders nutzen könne.

Gemeinsam mit einem französischen Forschungsinstitut laufen erfolgversprechende Versuche, mit den Haaren z.B. verschmutztes Wasser zu reinigen. Siehe letztes Foto. https://coiffeurs-justes.com/

Die Haare werden eng in Textilschläuche gestopft und ins Wasser geworfen. Nach einigen Stunden presst man sie aus und kann sie bis 7x verwenden


Tierfreundliche Gärten: Das geht auch ohne Chaos

Bei den Eiben links handelt es sich um Sämlinge, die in ca. 15 Jahren noch nie beschnitten wurden. Nur einzelne Zweige wurden floristisch verwendet. Oben der buntlaubige Sämling aus der Nähe

Sowohl im Gießener Anzeiger, der Gießener Allgemeinen Zeitung als auch in der Gießener Zeitung gab es dazu Beiträge vom neuen Umweltdezernenten des Kreises, Christian Zuckermann. Ich weiß nicht, ob sich die Menschen dadurch angesprochen fühlen, die es lieber ordentlich haben. Manche Leute mögen zwar keine Tier, ich denke aber, die meisten würden sich über Eichhörnchen, Igel und natürlich Vögel im Garten freuen. Kann man denn Ordnung und Tierleben zumindest teilweise zusammen bringen?
Ich meine, ja. Welchen Lösungsweg man einschlägt, das hängt sehr von der Gartengröße ab. In den Dörfern gibt es teilweise noch recht große Gartengrundstücke, die bieten viele Möglichkeiten. Doch auch im Neubaugebiet muss niemand auf tierischen Besuch verzichten.

Mein Lösungsvorschlag sind Schnitthecken. Sie sollten in kleinen Grundstücken nur kniehoch sein. Alternativen: Silos aus Maschendraht (ähnlich Gabbionen), in die Laub und Reisig geschichtet werden. Oder man baut eine Sitzecke mit Rückwand aus Holzpaletten und streicht sie farbig. Auch für Ordnung braucht es oft nur Phantasie.

Schnitthecken für größere Grundstücke können nicht nur an der Grundstücksgrenze, sondern mittendrin bzw. in einem Teil des Gartens gepflanzt werden, der etwas abseits liegt. Orientiert an englischen Gärten wäre aber auch eine Eibenhecke*1) weiter vorne möglich. Der Bereich davor, vom Haus aus gesehen, kann zur Staudenrabatte werden mit Pflanzen für Sonne und Schatten. Der Bereich hinter der Hecke wird zum Ablagern von Baumschnitt genutzt. Der darf gerne ordentlich gepackt werden. Die Tiere brauchen im Winter genau wie wir ein warmes, gegen Regen und Wind geschütztes Plätzchen.

Immergrüne Heil- und Würzkräuter wie Rosmarin, Salbei, Weinraute…

In kleinen Grundstücken reicht der Platz nur für eine kniehohe Hecke. Doch auch dahinter lassen sich kleine Reisighaufen*2) oder eine schöne Igelburg verbergen. Alternativ baut man schmale Silos aus Maschendraht, in die Laub und Reisig gepackt werden. Davor können die immergrünen Würzkräuter wachsen. Sie profitieren vom Windschutz und der Verrottungswärme und brauchen kaum Pflege.

Wer gerne kreativ ist, baut aus Holzpaletten ein Gerüst, das man schön anmalen und/oder in eine Sitzbank umwandeln kann. dreamstime. Bunte Paletten (nur 1 Beispiel) Dahinter ist Platz für Gartengeräte, wetterfestes Kinderspielzeug und den Gartenschnitt oder Kompost.

Bei den Stauden sollte man diejenigen, die ihre Blätter im Winter einziehen mit immergrünen mischen. Das ergibt auch im Winter Hingucker, Lichtreflexe und meistens frühe Blüten. Darunter können Vögel Schutz vor Regen und Schnee finden – sofern keine Katze durch den Garten streift.

Die Fotos zeigen nur Pflanzen, die im Winter ihre grünen Blätter behalten.

Ganz wichtig bei der Pflanzenauswahl: Pflanzen Sie Vielfalt! Je mehr verschiedene Arten umso besser. Es wird immer irgendetwas blühen; und im Laufe der Zeit werden Sie an Ihren Pflanzen immer mehr Tiere beobachten können.

zu *1) warum Eiben? Eiben wachsen relativ langsam, so dass man selten schneiden muss. Sie nehmen es nicht übel, wenn man zu tief schneidet (Thuja und Scheinzypressen sehen nach einem falschen Schnitt jahrelang schäbig aus). Sie bieten einen schönen Hintergrund für bunte Blumen. sie sind so dicht, dass Vögel gerne darin nisten. Wem sie zu dunkel sind: Es gibt auch buntlaubige Sorten siehe oben.

zu *2) Oft wird der Name Benjeshecke benutzt. Klingt hochtrabend, ist aber keine Erfindung von Herrn Benjes. Totholz hat man schon in frühester Zeit als Schutzwall gegen wilde Tiere oder Wind in der Landschaft ausgebreitet. Der unten verlinkte Beitrag benutzt zwar den Namen Benjes, zeigt aber nur einen “ordentlichen”, in die Länge gezogenen Totholzhaufen. Vorteil, da er jährlich absackt: sie können immer wieder Reisig darauf packen. Wenn es etwas dicker und frisch ist (nicht älter als 1 Jahr) dann werden sich darin auch die interessanten blauschwarzen Holzbienen ansiedeln. Mein schöner Garten Totholzhecke Schritt für Schritt-Anleitung

Von Herrn Benjes gefällt mir die Idee der Holunderschule besonders gut. https://de.wikipedia.org/wiki/Holunderschule

Fotos: Eveline Renell